27.02.2015

Außenminister Steinmeier bei Präsident Santos
(© Photothek/Koehler)
Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat im Zuge seiner Lateinamerika-Reise am Sonntag und Montag (15.-16.02.) Kolumbien besucht. Hier kam er unter anderem mit Präsident Juan Manuel Santos, seiner Amtskollegin Maria Angela Holguín Cuéllar sowie dem Friedensbeauftragten des Präsidenten, Sergio Jaramillo, zusammen. Außenminister Steinmeier drückte seine Hoffnung darauf aus, dass das Jahr 2015 Frieden für Kolumbien bringe. Für die Aussöhung und die Aufarbeitung des Konfliktes bot er weitere deutsche Unterstützung an. Hinsichtlich der in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Kraft getretenen Waffenruhe in der Ostukraine hielt Außenminister Steinmeier die Entwicklungen vor Ort genauestens im Blick und telefonierte hierzu im Verlauf des Wochenendes mit allen Beteiligten.

Am Samstagabend führte der Weg von Außenminister Steinmeier zunächst in die Küstenstadt Cartagena: Dort erwartete ihn seine kolumbianische Amtskollegin Holguín im Gästehaus der Regierung. Aufgrund der Verhandlungen in Minsk hatte sich die Reise verzögert, ein Termin in Bogotá musste verlegt werden.

Zum Auftakt gab es ein Geschenk der Außenministerin: Steinmeier erhielt ein sogenanntes "Guayaberas"-Hemd, ein für die Küste Kolumbiens typisches Leinenhemd. Nach einem ausführlichen Gespräch traten beide vor die Presse und gingen auf die sehr gute Qualität der bilateralen Beziehungen ein.

Besonderen Raum nahm der innerkolumbianische Friedensprozess und die Verhandlungen mit der Rebellenorganisation FARC ein. Außenminister Steinmeier würdigte die "schnellen" Fortschritte in der jüngsten Zeit unter Präsident Santos. Nach mehr als 50 Jahren Binnenkonflikt laufen seit 2012 in Kuba Verhandlungen der Regierung mit der Rebellenbewegung. Steinmeier betonte: "Ich wünsche mir sehr, dass dieses Jahr 2015 ein Jahr des Friedens für Kolumbien wird."

Friedenprozess weiter unterstützen

Auch beim Treffen mit Präsident Juan Manuel Santos stand der kolumbianische Friedensprozess im Mittelpunkt: Steinmeier versicherte dem kolumbianischen Präsidenten, dass Deutschland den Weg der kolumbianischen Regierung hin zu einem innerkolumbianischen Aussöhnungsprozess "aus vollem Herzen" unterstütze.

Im Rahmen seines Besuchs in Kolumbien traf Steinmeier am Sonntag (15.02.) auch den Beauftragten des Präsidenten für die Verhandlungen mit der FARC, Sergio Jaramillo, in Bogotá. Der deutsche Außenminister hatte zuvor unterstrichen, dass Deutschland nicht nur den Friedensprozess seit Langem unterstütze. Es gehe ihm, Steinmeier, auch darum, einen Beitrag zum innerkolumbianischen Aussöhnungsprozess und zur weiteren Aufarbeitung in der Post-Konfliktphase zu leisten.

Der Außenminister sagte weiter: "Ich glaube, dass sich daraus neue Felder der Zusammenarbeit ergeben werden. Die Aufarbeitung von Geschichte (...) hat uns in Deutschland sehr lange beschäftigt und beschäftigt uns weiter".

Steinmeier verwies darauf, dass es in Deutschland daher Institutionen, Erfahrungen und Expertise gebe, die auch für die kolumbianische Seite von Nutzen sein könnten. Unter anderem bestehen erste Kontakte zu der Stiftung Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen. Deren Leiter, Hubertus Knabe, war aus diesem Grund bereits im November 2014 nach Kolumbien gereist und nahm unter anderem an einer Diskussionsveranstaltung des Goethe-Instituts teil.

Kooperation in Wirtschaft und Wissenschaft

Im Rahmen seiner Reise besuchte Steinmeier am Sonntag (15.02.) auch ein Kaffeeverarbeitungszentrum und ein Dorf der Kogi. Die Kogi sind ein indigenes Volk, das im Norden der Sierra Nevada de Santa Marta lebt. Aufgrund der Abgeschiedenheit entgingen die Kogi weitgehend der Kolonialisierung; so sprechen die rund 10.000 Kogi weiterhin die Kawagia-Sprache. Um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zu befördern, gehen sie unter anderem dem Kaffeeanbau nach. Die deutsche Botschaft fördert das Projekt und hat neue Kaffeeverarbeitungsmaschinen zur Verfügung gestellt. Außenminister Steinmeier besuchte das Kaffeeverarbeitungszentrum der Kogi in Mingueo und weihte die neuen Geräte ein.

Wirtschaftliche Entwicklung zieht an

Gegenüber seiner Amtskollegin Holguín äußerte Steinmeier auch das deutliche Interesse deutscher Unternehmer an einer Zusammenarbeit. Es sei erstaunlich, so Steinmeier, wie schnell das Land vorangekommen sei. Und weiter: "Wir freuen uns natürlich, dass mit der Bekämpfung der Kriminalität und der Einleitung von Friedensgesprächen auch etwas möglich geworden ist, was viele Jahre danieder lag: Wirtschaftliche Entwicklung." Bei der gemeinsamen Pressebegegnung mit Außenministerin Holguín hob Steinmeier zudem die enge Zusammenarbeit im Bereich Wissenschaft und Forschung hervor. Hierzu besuchte der deutsche Außenminister ebenfalls am Sonntag in Santa Marta das Forschungsinstitut CEMarin. Nach einem kurzen Rundgang durch die Forschungsbereiche und Labore schloss sich ein Gespräch mit kolumbianischen Doktoranden an, die in den Bereichen Biologie, Chemie und Geologie am CEMarin arbeiten - sie alle waren bereits oder werden im Rahmen der deutsch-kolumbianischen Forschungspartnerschaft ihres Instituts nach Deutschland kommen. Das CEMarin hat sich in Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität Gießen der Ausbildung und Grundlagenforschung im Bereich der Meereswissenschaften verschrieben. Es ist eines von weltweit vier Exzellenzprojekten der deutschen Außenwissenschaftsinitiative.

Aus: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/AAmt/BM-Reisen/2015/02-Brasilien-Peru-Kolumbien/Kolumbien.html

© Deutsche Botschaft Bogotá

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